Massentierhaltung und Biogasanlagen bedrohen Trinkwasser

Grenzwerte für Nitratstickstoff an vielen Messstationen überschritten

Das Grundwasser wird in vielen Regionen Deutschlands zunehmend durch Gülle aus der Tierhaltung und Überreste aus Biogasanlagen verschmutzt. Steigende Nitratwerte in Brunnen geben vielerorts ebenfalls Anlass zur Sorge. Deutschlandweit wird der Grenzwert für Nitratstickstoff in über der Hälfte der Messstellen überschritten. Die Europäische Kommission rügt diese Entwicklung in einem Bericht öffentlich, laut welchem Deutschland europaweit nach Malta am zweitschlechtesten abschneidet.

Fluss, Trinkwasser

Hohe Nitratkonzentrationen besonders für Säuglinge gefährlich

Nitratkonzentrationen von mehr als 100 mgNO3/l im Trinkwasser sind für Säuglinge bis zum 6. Lebensmonat äußerst gefährlich und können zu schweren gesundheitlichen Problemen bis hin zum Tod durch Ersticken führen. Der Grund dafür ist, dass Nitrat im Körper zu Nitrit umgewandelt wird, sodass das Blut Nitritmoleküle statt Sauerstoff bindet, wodurch Säuglinge Blausucht bekommen und ersticken können. Aber auch für ältere Kinder und Erwachsene sind hohe Nitratkonzentrationen gesundheitsschädlich, u.a. begünstigen diese die Entstehung von Krebs.

Bundesregierung bisher untätig

Obwohl seit Jahren bekannt ist, dass Überdüngung das Grundwasser verpestet, hat es die Bundesregierung bislang versäumt, die Düngeverordnung zu überarbeiten. Ein großes Problem ist auch, dass die Folgen der Überdüngung erst Jahre später im Grundwasser nachzuweisen sind, da das belastete Wasser erst nach einer gewissen Zeit im Grundwasser ankommt. Das bedeutet, dass unser Grundwasser noch auf Jahre hinaus vergiftet wird, selbst wenn ab sofort strengere Regeln eingeführt würden. Ein weiterer Grund dafür, dass die Bundesregierung endlich handeln muss.

Trendwende zum Negativen

Noch zu Beginn des neuen Jahrtausends hatten sich die Nitratwerte in vielen Brunnen verringert. Aufgrund des Booms an Biogasanlagen und der wachsenden Massentierhaltung zeigt die Entwicklung nun in die andere Richtung. Besonders in Gegenden mit hoher Viehdichte steigen die Messwerte seit einigen wieder Jahren stark an. Inzwischen müssen in manchen Regionen sogar Gülle und Gärreste mit Schiffen in andere Gebiete abtransportiert werden, da die Felder völlig überdüngt sind. Natürlich ist das auf Dauer keine praktikable und vor allem umweltfreundliche Methode. Es müssen nachhaltige Massnahmen ergriffen werden, wie z.B. eine Verringerung der Tierbestände in diesen Gegenden und ein Ausbringungsverbot auf überdüngte Flächen.

Quelle: Greenpeace

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