Mineralwasser oder doch lieber Leitungswasser?

Warum bezahlen wir eigentlich nach wie vor eine Menge Geld für Mineralwasser aus Plastikflaschen, obwohl doch bestens trinkbares Wasser direkt aus der Wasserleitung kommt? Nun mag der eine oder andere einwenden, dass Wasser aus der Leitung nicht sprudelt. Dieses „Problem“ kann aber seit der Erfindung von Wassersprudlern für den privaten Einsatz ohne Probleme behoben werden. Darüber hinaus mach die Kohlensäure Mineralwasser nicht zu Mineralwasser. Wasser ohne Kohlensäure aus Mineralquellen ist schließlich auch Mineralwasser. Wir meinen oft, dass Wasser aus der Leitung bestimmt weniger rein und gesund sei als abgefülltes Mineralwasser aus Plastikflaschen. Dem ist allerdings (meistens) nicht so. Die Richtlinien für Leitungswasser sind in Deutschland nämlich strenger als die für Mineralwasser. Erstaunlich oder? An einem Punkt muss man allerdings vorsichtig sein. Das Leitungswasser an sich ist sauber und bedenkenlos trinkbar (und es schmeckt auch meistens sehr gut, je nach Region), allerdings sollte man sich sicher sein, dass im Haus keine Bleirohre verbaut sind. Das ist zwar seit den 70er Jahren verboten, aber in alten Häusern ist es durchaus möglich. Blei im Wasser ist gesundheitsschädlich und besonders Schwangere sollten vorsichtig damit sein. Ist man sich also nicht sicher, ob das saubere Leitungswasser auf dem Weg durch die Rohre in den eigenen vier Wänden mit Blei verunreinigt wird, der kann ab etwa 15 Euro einen Wassertest durchführen lassen. Informationen, wo dies möglich ist, bekommt man problemlos bei der Stadt.
Leitungswasser gesund und sauber

Ist Mineralwasser tatsächlich stärker mit Schadstoffen belastet als Leitungswasser?

Die Antwort lautet: Teilweise schon. Die Stiftung Warentest hat 30 Mineralwasser-Sorten getestet und in 10 davon Rückstände von Pestiziden gefunden. Die gefundenen Mengen waren zwar nicht bedenklich, aber bei Leitungswasser ist die Wahrscheinlichkeit, Pestizide zu finden, viel geringer. In der Mineral und Trinkwasserverordnung steht, dass Mineralwasser nur dann Mineralwasser genannt werden darf, wenn es aus einer staatlich anerkannten Quelle stammt, die durch mindestens eine schwer durchlässige Erdschicht vom Grundwasser getrennt und damit vor Verunreinigungen geschützt ist. Die zehn Mineralwassersorten, in denen Rückstände von Pestiziden gefunden wurden, dürften daher also eigentlich nicht als Mineralwasser sondern nur als Trink- oder Tafelwasser bezeichnet werden.

Umwelthormone aus PET-Flaschen

Zusätzlich zu der Verunreinigung durch das Grundwasser können sich aus den PET-Flaschen hormonähnliche Substanzen lösen und in das Wasser gelangen, was auch in Studien nachgewiesen wurde. Allerdings hält das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) diese nicht für ausreichend als Nachweis, dass die Umwelthormone im Mineralwasser von den PET-Flaschen stammen.
Bild von PET Flasche

Neben den Umwelthormonen geben PET-Flaschen Acetaldehyd ab. Das schmeckt man auch, besonders, wenn die Flasche heiß wird oder das Wasser schon lange in der bereits geöffneten Flasche steht. Ob Acetaldehyd der Gesundheit schadet, ist noch längst nicht klar. Aber selbst wenn nicht: Lecker ist es nicht.
Umwelthormone und Acetaldehyd finden sich übrigens nicht in Leitungswasser. Dieses ist das am strengsten kontrollierte Wasser in Deutschland. Darüber hinaus entsteht durch Leitungswasser kein Berg an Plastikmüll und es muss auch nicht mit LKWs quer durch Deutschland transportiert werden. Auch vom Umweltaspekt her schlägt Leitungswasser also Mineralwasser.

Aber die Mineralien sind doch bestimmt gesund!

Ja, das sind sie, allerdings sind die Mengen, die davon in Mineralwasser vorhanden sind, so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Auch dieser Grund, ein vielfach teureres, stärker mit Pestiziden belastetes Mineralwasser aus umweltschädlichen, hormonbelasteten, nicht geschmacksneutralen Plastikflaschen zu trinken, entfällt also. Wer also etwas für die Umwelt, seine Gesundheit und seinen Geldbeutel tun will, der sollte sich ernsthaft überlegen, ob er nicht lieber Leitungswasser statt Mineralwasser trinken möchte. Und wenn es sprudeln soll, dann besorgt man sich eben einfach einen Wassersprudler.